
Ausstellung ab kommenden Wochenende
7. Oktober 2026Rune Reuter, Jahrgang 2008, ist Kapitän der NBBL-Mannschaft des UBC Münster und als Starting Point Guard sowohl in der U19 als auch in der 2. Herrenmannschaft Leitwolf seines Teams.
Rune, in ein paar Tagen fängt die neue NBBL-Saison an. Was habt ihr euch als Team vorgenommen?
In der Einteilungsrunde haben wir erst mal drei Spiele, zwei Auswärtsspiele und ein Heimspiel gegen Paderborn. Und unser Ziel ist es auf jeden Fall zwei dieser drei Spiele zu gewinnen. Also zwei Spiele gegen Quakenbrück und gegen die West Dogs, das sind Must-Wins. Und Paderborn … Ja, da schauen wir, was wir rausholen können. Aber zwei der drei Spiele gewinnen das ist auf jeden Fall das, was wir uns vorgenommen haben. Das alles ist natürlich nur der Anfang, wir möchten auf jeden Fall in der Division A spielen, eine Chance auf die Playoffs haben.
Wie siehst du deine eigene Rolle im Team, als Kapitän und als Starting Point Guard? Was ist dein Job?
Ich würde sagen, mein Job als Point Guard ist es, Verantwortung für andere zu übernehmen. D.h. zum Teil für die anderen mitzudenken, das Spiel zu lesen und zu sehe: Welche Spieler habe ich jetzt auf dem Feld? Welche Spielertypen? Wie kann ich die am besten einsetzen? Und da dann die richtigen Entscheidungen zu treffen fürs Team auf dem Feld.
Was bringst du als besondere Fertigkeiten für deine Rolle als Point Guard mit? Was macht dich für einen Coach zur ersten Wahl auf dieser Position?
Spielübersicht und Spielverständnis: Einmal habe ich die Spielübersicht aktiv am Ball. Was ist jetzt die beste Möglichkeit? Wo soll der Ball hingehen? Wenn ich gerade nicht am Ball bin, kann ich trotzdem kommunizieren – ob auf dem Feld oder im Huddle. Dass ich einfach verstehe, was wir gerade brauchen.
Wenn du jüngeren Spielern etwas raten würdest, damit sie selbst mal in so etwas wie deine Rolle in der U19 kommen können, was wäre das?
Wenn man richtig gut werden möchte, dann muss man als allererstes den Sport wirklich lieben. Man muss auch eben gerne sieben Tage in der Woche Basketball spielen wollen. Und an sich arbeiten. Viele Coaches sagen einem ganz unterschiedliche Dinge. Da für sich herauszufiltern, was man wirklich für sein Spiel gebrauchen kann und was jetzt nicht so sinnvoll ist. Ich glaube, das ist eine gute Fähigkeit, die man haben sollte.
Würdest du sagen, man kann von jedem Coach was lernen?
Auf jeden Fall, weil jeder Coach einem unterschiedliche Blickwinkel auf sein eigenes Spiel gibt Es gibt aber auch Sachen, wo man seinen Weg selbst besser finden kann als die Coaches. Am Ende bist du selbst für dich verantwortlich.
Sind die Coaches, die jetzt hast, wichtiger als die, die du in den frühen Jugendjahren seit der U10 hattest?
Ja und nein. Ich glaube, im Mini-Bereich ist einfach Spaß am Sport haben das Allerwichtigste, dass man sich bewegt und schon mal so ein Grundgefühl für den Sport bekommt, dass man schon mal so ein paar Bewegungsabläufe reinbekommt. Steffi – jetzt heißt sie Westhues, glaube ich – hat das damals super gemacht. Wenn die Kinder Spaß haben, kommen sie wieder!
Natürlich sind Grundlagen wie Korbleger mit rechts und mit links und vielleicht schon eine Grundbasis für den Wurf wichtig, die man auch schon im Mini Basketball durch Coaches erlernen kann. Aber der Spaß am Spiel steht im Vordergrund!
Hauptsache, man fängt mit Basketball an, auch wenn es mal in einem kleineren Verein ist und nicht gleich beim UBC?
Auf jeden Fall! Bei mir im Team gibt es auch gerade mehrere Leute, die in kleineren Vereinen angefangen haben und jetzt NBBL spielen.
Was ist für euch als Team anders in diesem Jahr? Mit Justus, Lukas und Heikki habt ihr auf einmal drei talentierte Spieler mit Gardemaß dabei, das hattet ihr bisher nie. Mit Tom steht ein weiterer Spieler aus dem Jahrgang 2010 in den Startlöchern. Wie wirkt sich das aus?
Das ist auf jeden Fall sehr wichtig, die vier größten Spieler von uns im Team sind von außerhalb. Ohne große Spieler kann man nicht auf höchstem Niveau Basketball spielen. Letztes Jahr habe ich ja auch noch mit Leonard [Dertmann] zusammengespielt. Aber das sind alles unterschiedliche Spielertypen, die ich jetzt habe. Justus [Reuter], zum Beispiel, ist zwar nicht ganz so athletisch wie es Leonard war, ist aber viel stabiler und kräftiger. Und er rollt auch immer in die richtigen Räume, so dass man ihn da gut beim Pick & Roll finden kann. Lukas ist natürlich auch echt stark mit seinem Fingerspitzengefühl. Mit jedem unserer Bigs kann ich etwas unterschiedliches spielen und durch diese Diversität, die wir haben, habe ich als Point Guard viele verschiedene Optionen.
Noch letztes Jahr hätte ich gesagt, dass euch stark macht, so viele Spieler schon so lange aus der eigenen Jugend zu kennen. Wie würdest du jetzt beschreiben, was Jugend-Basketball am Standort Münster zu so einer guten Adresse macht?
Leo Ivankovic und ich haben am gleichen Tag in der U10 angefangen, glaube ich. Ole [Witt] ist dann in der U12 dazugekommen. Nach so vielen Jahren weiß man einfach, wie der andere tickt, wie man auf dem Spielfeld miteinander kommunizieren soll. Aber auch im Training, wie man sich bewegt und so, da stimmt die Abstimmung einfach. Aber mit vielen 2009ern spiele ich jetzt ja auch schon lange zusammen – jedes zweite Jahr in der U14 oder JBBL, jetzt in der NBBL sowieso.
Wir alle sehen uns in der Woche täglich zweimal zum Basketballspielen und das hilft natürlich enorm einfach die Bewegungsabläufe voneinander zu kennen.
Das ist etwas besonderes, am Pascal-Gymnasium, würde ich sagen, wo man im Vormittagstraining ab der Mittelstufe echtes Basketballtraining haben kann, an Stelle des normalen Sportunterrichts. Und da macht man Technik und Kraftsport. Das ist enorm wichtig für eine basketballerische Grundlage. Man merkt man sehr deutlich, dass dieses Training anderen Spielern fehlt, die eben nicht auf dem Pascal sind. Cool ist natürlich auch, dass das Sportinternat an uns angeschlossen ist, wo Lukas, Justus und Heikki wohnen. Kurze Wege und man kann auch mal was zusammen machen.
Was hältst du von dem neuen Modus der NBBL? Im letzten Jahr wart ihr quasi in der 1. Bundesliga, jetzt müsst ihr erst wieder um den „Aufstieg spielen“.
Ich finde es ein bisschen schade, weil es sich für mich nicht so professionell anfühlt. Man hat nicht dieses klare Ligasystem mit den Platzierungen am Ende der Saison und dann den Playoffs. Stattdessen es ist ein bisschen komplizierter, nicht ganz so klar. Auf der anderen Seite hat man durch diesen neuen Modus mehr Spiele, in denen es wirklich um was geht, weil man einfach in der Saison ständig eine Gruppe aufsteigen und absteigen kann. Weshalb die Spiele an sich einen sehr viel größeren Impact haben auf den Verlauf der Saison.
Im ersten Spiel geht es jetzt gegen die Young Rasta Dragons aus Quakenbrück, man könnte sie auch Rasta Vechta 2 nennen. Mit dabei auch Fritz Bühner, der auch eine Saison mit dir in der JBBL gespielt hat. Welche Chancen rechnet ihr euch für dieses Spiel aus?
In der Saisonvorbereitung vor den Sommerferien haben wir schon gegen genau dieses Team gespielt. Und da haben wir gut gespielt. Wir haben schnell gespielt. Wir haben wirklich gut verteidigt. Und das müssen wir auf jeden Fall wieder machen. Wir haben gesehen, was wir besser machen müssen. Wir haben einen Game Plan und den müssen wir umsetzen. Aber ich glaube, wenn wir die Sachen spielen, die wir gut können, dann sollten wir sehr gute Chancen haben.
Neben der NBBL spielst du auch in der 2. Herrenmannschaft als erster Point Guard – mit vielen deiner NBBL-Kollegen. Zusätzlich trainierst du regelmäßig mit der 1. Mannschaft. Wie unterschiedlich sind diese Teams und kannst du dich dann überhaupt noch irgendwo „zu Hause“ fühlen?
Der größte Unterschied ist meine Rolle, vor allem zwischen dem Training in der ersten Mannschaft und den anderen beiden Teams. In der NBBL und der Herren 2 ist das sehr ähnlich, der Kern ist ja auch der gleiche. Nur die Gegner sind ein wenig anders.
Bei den ersten Herren bin ich natürlich noch ein Jugendspieler und kann da auch frei zeigen, was ich kann. Für mich ist das eine super Möglichkeit, um auf hohem Niveau Erfahrung zu sammeln.
Du trainierst 3x vormittags am Pascal-Gymnasium, 4x abends im Verein und hast dann meistens 2 Spiele am Wochenende. Wie geht man als jugendlicher Leistungssportler mit so einer Belastung um? Physisch und mental?
Auf seinen Körper hören! Das Schlimmste, was man machen kann, ist sich verletzen. Wenn man merkt, dass man zu müde ist, dass der Körper schlapp macht oder so, dann muss man sich auch trauen zu kommunizieren und sicherstellen, dass man gesund bleibt.
Mental… es passiert schon mal, dass man keinen Spaß daran hat. Es gibt immer mal Momente, wo man sich denkt: Nein, jetzt habe ich keine Lust auf Training. Das ist mir jetzt viel zu viel. Aber ich glaube, wenn man in einem Team spielt, wo man wirklich Spaß mit den Leuten hat, mit denen man da ist, kann man sich sehr gut gegenseitig motivieren auch zum Training zu gehen und zusammen einfach Spaß zu haben.
Wie sieht es mit Freunden, einer Freundin oder anderen Hobbies aus? Passt das überhaupt zusammen?
Also klar, man hat viel weniger Zeit als die anderen, vor allem am Wochenende. Wenn man an einem Tag erst in NRW unterwegs und am Abend spielt, und dann am anderen Tag nach Berlin fahren muss, hat man am Wochenende wirklich kaum Zeit. Auch unter der Woche am Nachmittag ist das wirklich ein großer Zeitaufwand. Aber irgendwie schaffe ich es immer, mir für solche Dinge Zeit zu nehmen. Da muss man einfach Prioritäten setzen und überlegen, was einem am wichtigsten ist.
Und viele meiner Freunde spielen auch mit mir Basketball. Das ist ganz schön, denn die sehe ich immer beim Training. Dann kann ich also zwei-in-eins direkt abhaken. Ansonsten mache ich gerne Musik, da findet sich eigentlich immer ein bisschen Zeit, ein paar Minuten hier und da.
Und so nebenbei bist du im letzten Jahr auf der Schule, das Abi steht an. Wie passen die Sprintgerade in der Schule und der unbezahlte Leistungssport zusammen?
Natürlich hat man zum Lernen weniger Zeit als andere Schüler. Man muss sich halt besser organisieren. Zeit gibt es schon. Im äußersten Fall kann man Auswärtsfahrten auch gelegentlich zum Lernen benutzen, wenn der Lernbedarf hoch ist. Aber ich habe Glück, dass mir die Schule leicht fällt, von daher bin ich vielleicht kein gutes Beispiel.
Nach dem Abi, wie geht es weiter?
Am liebsten möchte ich Medizin studieren. Aber wie und wo ich das am besten mit Basketball auf hohem Niveau kombinieren kann, das steht noch offen. Ich kann mir gut vorstellen, eine Saison erst mal in Münster zu bleiben. Und zu gucken, was ich hier für Möglichkeiten habe.
Okay. Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg in deinem letzten NBBL-Jahr!
Danke.
Photos: Peter Obstfeld, Thomas Mohn




