
Weibliche U14 des UBC schreibt Geschichte – Start beim Final Four
12. März 2026(ar) Andrej König, Jahrgang 1987, spielte als Spieler für die WWU Baskets (heute Uni Baskets) in der 1. Regionalliga und der ProB. Heute verantwortet der Inhaber einer A-Trainerlizenz sowohl das U19-Bundesliga-Team in der NBBL als auch das Farmteam der Uni-Baskets, die Erstregionalliga-Mannschaft des UBC Münster, die dort ausnahmslos mit jungen Spielern um den Klassenerhalt kämpft.
Wir trafen ihn im Trainerbüro des Pascal-Gymnasiums, wo er auch fest angestellt an der NRW-Sportschule tätig ist und im Vormittagsbereich junge Basketballspieler betreut.
Andrej, wir kennen dich als Spieler, dein Trikot hängt im Berg Fidel unter dem Dach. Wie und wann bist du auf die Idee gekommen, Coach zu werden?
Ich habe, glaube ich, mit Ende 15, Anfang 16 mit Basketball angefangen. Und direkt ein halbes Jahr später musste ich auch als Trainer aktiv werden, weil unser damaliger Trainer in unserem kleinen Dorf aufhören musste und der Hauptverein die Basketballabteilung schließen wollte, wenn es niemanden mit Trainerlizenz gegeben hätte. Natürlich hat sich niemand gemeldet. Ich selbst hatte von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber mir gefiel Basketball und hätte es schade gefunden, wenn direkt am Anfang alles wieder vorbei gewesen wäre. Also habe ich meine Hand gehoben, wurde zum Lehrgang angemeldet und hatte ein Jahr danach mit 17 meine D-Lizenz. Ein Jahr später folgte die C-Lizenz und die Abteilungsleitung, weil es sonst niemand machen wollte.
Nach meinem Abitur hat mir meine damalige Trainerin Antje Mevius angeboten, in Rendsburg ein FSJ zu machen und ich durfte ein Jahr als Teil der Familie bei ihr wohnen. <lacht>Luca [heute Nationalspieler und in der NBBL bei Oldenburg aktiv] und Elisa [Goldmedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen in Paris] kenne ich von daher noch als ganz, ganz kleine Kinder.
Antje hat damals die Basketballsparte vom Grundverein abgekapselt. Mein Fluch und Segen zugleich war, dass bei ihr alles zusammenlief und sie super viel auf der Platte hatte. So habe ich bei ihr viel gelernt, sowohl als Trainer als auch was die Organisation angeht.
Nach dem FSJ habe ich mit 19 Jahren meine B-Trainerlizenz gemacht, wollte dann aber lieber erst einmal selbst Basketball spielen. Zu dem Zeitpunkt wollte ich nicht im Herrenbereich coachen oder irgendwo in die erste Liga gehen, da hat das gereicht. Nach meiner Karriere als Spieler ist das jetzt ein bisschen anders.
Über die Jahre am Pascal Gymnasium und bei den WWU Baskets habe ich viel von Philipp gelernt, aber auch von Björn [Harmsen]. Für diese Trainervorbilder bin ich wirklich dankbar. Da war es dann auch wieder interessant, die A-Lizenz zu machen.
Was du geschafft hast. Geht es in Deutschland noch höher?
Doch, höher geht schon noch. Es gibt eine FIBA-Lizenz und ich glaube, von der Euroleague gibt es auch ein Trainerprogramm. Das reizt mich schon, aber zeitlich ist das im Moment eher uninteressant. Lernen und weiterentwickeln will ich mich immer, im Moment bin ich aber superzufrieden und glücklich, da wo ich bin.
Junge Spieler auf diesem Level zu entwickeln ist schon superspannend. Man muss sich mal darüber klar werden: Wir sind in der A Gruppe! Der Level of Basketball, den man dort erreicht und den man den Jungs versucht zu vermitteln, ist schon sehr, sehr hoch.
Die Jungs kommen langsam in so einem Alter an, wo deren Technik, Physis und Athletik schon hochentwickelt sind. Taktisch hast du die volle Palette an Konzepten, Defense, Offense. Und dann ist die NBBL-A-Gruppe extrem kompetitiv. Du spielst gegen Spieler, die teilweise schon in den Bundesligen eingesetzt werden. Und es geht schon um was, alle wollen gewinnen.
In der U14 oder U16 reicht es, wenn da ein, zwei überragende oder frühreife Spieler sind, dann gewinnst du oft, ohne dir großartig viel Mühe geben zu müssen. In der NBBL nehmen sie dir das weg, da musst du richtig Basketball spielen. Das sieht man auch daran, wie viele JBBL-Stars in ihrem ersten NBBL-Jahr Probleme haben. In den drei Jahren entwickeln sich die Spieler noch superweit, werden erwachsen. Dabei zuzugucken finde ich echt spannend.
Für die Zuschauer ist es oft schwer zu erkennen, wie hoch das Niveau ist, sonst würden vielleicht noch viel mehr Leute zu den NBBL-Spielen kommen. Was macht den Unterschied aus, z.B. zur U18-Regionalliga, der nächsthöheren Spielklasse in NRW?
Ich glaube letzten Endes muss man betrachten, wie oft diese Jungs dort trainieren, da liegt meiner Meinung nach die große Diskrepanz. Wo kannst du denn schon wie bei uns dreimal vormittags, viermal abends trainieren, zweimal am Wochenende spielen? Viele kleinere Vereine haben dazu doch gar nicht die Voraussetzungen, egal wie talentiert die Jungs da sind.
Dann musst du lernen auf diesem Niveau einfach bessere und vor allem schnellere Entscheidungen zu treffen und dafür brauchst du Competition auf hohem Niveau und musst so viel Erfahrung sammeln wie möglich.
Beim Training entscheidet aber nicht allein, wie oft du trainierst, sondern wie gut du trainierst, mit welchen Einsatz. Und mit welcher Zielsetzung du tatsächlich Training für Training bestreitest.
Die wirklich guten Spieler spielen dann ja gar nicht mehr in der Regionalliga, die spielen in der NBBL und zusätzlich wie z.B. bei Paderborn Tom Brüggemann und Leonard Kröger ein paar Minuten in der ProA. Oder Fynn Lastring [vorher im Jugendbereich bei Metropol] bei Vechta sogar in der Bundesliga.
D.h. der Level of Competition ist in der [Jugend-]Regionalliga einfach viel, viel niedriger.

Das sieht man. In der NBBL scheint es wahnsinnig schwierig zu sein, zu Punkten zu kommen. Warum ist das so?
Also zum einen sind es die Gegner, die einfach so stark verteidigen. Wenn du als Spieler in der NBBL auf dem Platz stehen willst, musst du einfach verteidigen können.
Dann habe ich uns mal mit anderen Teams verglichen und die Daten ausgewertet.
Gewichtet nach den tatsächlich gespielten Minuten der Spieler sind wir das kleinste NBBL-Team. Ich glaube, wir liegen bei rund 1,90m. ALBA bei 1,99m. Da liegen fast 10 cm dazwischen. Zusammen mit Vechta sind wir auch das jüngste Team der NBBL A-Gruppe, wieder auf die gespielten Minuten nach Jahrgängen bezogen. Wenn ich jetzt sage, wir sind das kleinste und das jüngste Team der NBBL und wir spielen gegen Bundesligavereine wie Vechta, ALBA, Oldenburg und gegen alle haben wir tatsächlich entweder schon einen Sieg eingefahren oder haben um den Sieg mitgespielt. Dann muss ich erst mal den Jungs wirklich Respekt zollen, dass sie es schaffen, diese Leistung zu bringen. Im letzten Jahr sind uns viele ältere Jahrgangsspieler weggebrochen, aber tolle, tolle Spieler im jüngeren und mittleren Jahrgang dazugekommen.
Die bringen ihre Leistung, es wäre vermessen von ihnen zu verlangen, jetzt schon offensiv zu dominieren. Für die nächsten zwei Jahre mache ich mir überhaupt keine Sorgen, weil ich finde, dass wir da toll aufgestellt sind.
Aktuell müssen wir offensiv eher den Ball verteilen. Leo [Kirchhoff] macht das wunderbar und hat einen riesigen Sprung gemacht, das freut mich auch wirklich sehr für ihn. Rune [Reuter] auch, wenn ich vergleiche, wie sehr er und Max Sonntag als Jungjahrgänge in der letzten Saison noch gestrugglet haben. Und wenn ich z.B. Liam [Glusa], Felix [Almering] und Konrad [Langenbach] betrachte, die haben als jüngster Jahrgang eine bombastische Entwicklung durch die Saison genommen. Die spielen signifikante Minuten und haben auch eine Rolle. Die sind alle angekommen. Genauso Lukas Freitag, der für uns als 2009er schon eine Säule ist. Justus Reuter ist dazu gekommen und arbeitet hart, da war es sehr ärgerlich, dass er sich verletzt hat, er muss jetzt wieder in den Basketball-Rhythmus kommen. Ich freue mich riesig, dass beide jetzt auf dem Sportinternat untergekommen sind und voll trainieren können.
Gleichzeitig muss man sehen, dass sie alle noch Jugendliche sind. Du trainierst siebenmal unter der Woche und dann musst du an beiden Wochenendtagen spielen, vielleicht mit langen Fahrten. Dass es dann vielleicht mal an dem einen oder anderen Wochenende nicht funktioniert, weil es vom Körper oder vom Kopf her manchmal einfach zu viel ist, dann ist das so.
Von außen sieht das NBBL-Spiel manchmal ein bisschen wie Handball aus – ihr spielt Handoffs, der Ball läuft um die Zone herum, bis irgendjemand mal eine Aktion macht. Trügt dieser Eindruck?
Der Eindruck trügt, würde ich sagen. Der große Unterschied ist, dass man nicht mehr wie in der JBBL über ein, zwei gute Spieler spielen kann, um zu scoren. Du brauchst Team-Konzepte, die alle Spieler verstanden haben und umsetzen. Das bedeutet viel Arbeit im Training und in den Köpfen.
Zusätzlich muss man mit einer neuen Realität leben: Anders als z.B. in der U18-Regionalliga gibt es von jedem Spiel ein Video. Wenn ich hinterher mit den anderen Trainern rede, dann erzählen sie mir, dass sie, wenn sie nach Münster kommen, sich auf den Leo vorbereiten, auf den Rune vorbereiten und dann vielleicht noch auf den Lukas Freitag. Und mit den anderen leben sie dann. Da müssen dann die vermittelten Prinzipien greifen.
In der NBBL kennst du die Stärken eines Spielers. Die möchten sie ihm wegnehmen. Und wie reagieren wir selber da drauf? Was lassen wir uns wegnehmen? Was ist dann unsere Antwort darauf? Und das ist auch das spannende bei der NBBL A-Gruppe, weil es auf dem Niveau tatsächlich so funktioniert wie bei den Profis und die Jungs sich da jedes Spiel neu unter Beweis stellen, sich weiterentwickeln müssen.
Was ist denn dann die Stärke des Münsteraner Teams?
Wir haben keine Spitzentalente, in dem Sinne wie ALBA oder Bayern München sie haben. Dafür bilden wir zwölf Mann als Team gut aus. Die Jungs haben hier tolle Bedingungen, auf dem Pascal-Gymnasium mit dem Vormittagstraining und der Einbindung in die [Herren]Regional- und Oberliga. Wir haben mit Edgars [Ikstens], Felix [Engel] und im Hintergrund Philipp [Kappenstein] weitere hochqualifizierte Trainer, die mit den Jungs arbeiten.
Das gibt uns die Möglichkeit, viel zu wechseln, über 40 Minuten den Druck hochzuhalten und jeder kann und muss Verantwortung lernen und tragen. Aber da hilft auch der Teamzusammenhalt einfach dadurch, dass die meisten Spieler schon seit der U12 im Verein sind und sich seit vielen Jahren kennen.
Das wird euch hoffentlich durch die Spiele gegen Paderborn tragen. Erst einmal viel Glück in Playoff-Runde Eins!
Fotos: Peter Obstfeld, Giuseppe Vedda




