
NBBL startet mit Sponsorentermin in die neue Saison
8. Juni 2026Interview mit Justus Reuter
(ar) Justus Reuter, Jahrgang 2008, spielt seit einem Jahr im NBBL-Team in Münster und wechselte von den Metropol Baskets Ruhr in die Westfalen-Metropole. Um den Traum vom Basketball-Profi verwirklichen zu können, ließ der 2,06m-Hüne das Elternhaus in Gladbeck hinter sich, lebt jetzt im Sportinternat Münster und besucht das Pascal-Gymnasium.
Wir trafen ihn und die Leiterin der Einrichtung Ruth Funk im Sportinternat an der Salzmannstraße.
Prima, dass wir uns hier treffen können. Mein erster Eindruck: Es gibt mehr Mitarbeiter/innen als ich gedacht hätte – und alle wirken ganz entspannt und locker. Steigen wir einfach mal mittendrin ein: Sportinternat, wie funktioniert das?
RF: Es fängt immer mit jungen Menschen an, die in ihrem Sport das höchste Niveau erreichen wollen. Der erste Schritt ist, dass sie das Talent und die Perspektive haben, aber das klären sie mit unseren Partnervereinen wie dem UBC. Hier im Haus spielt der Sport eine ganz sekundäre Rolle. Für uns geht es darum, bringst du die Voraussetzungen mit, von zu Hause schon wegzugehen? Kannst du mit dem Druck umgehen? Denn es ist was ganz anderes, ob ich zu Hause in einen Verein gehe. Klar, dort warst du auch beim Training, aber hier ist das Training schon eine Verpflichtung, du entscheidest dich ja für eine lange Zeit. Das braucht schon eine gewisse Reife für das Alter. Bei Justus war das recht einfach – du bist ja nicht mit 14 gekommen und bei dir war es ganz eindeutig dein Wunsch herzukommen und nicht der Wunsch der Eltern. Das ist für uns entscheidend, weil es nur so funktionieren kann.
Das heißt, es kann auch passieren, dass jemand am Sportinternat nicht angenommen wird?
RF: Natürlich ist es nie leicht, das Elternhaus ein Stück weit hinter sich zu lassen. Wir begleiten unsere Jugendlichen deshalb sehr intensiv und legen großen Wert auf eine verlässliche, pädagogische Betreuung unserer Internatler*innen.
Es kommt nicht häufig vor, aber wenn wir den Eindruck gewinnen, dass bei einer Jugendlichen oder einem Jugendlichen möglicherweise die nötigen Voraussetzungen in Bezug auf Resilienz und Reife noch nicht gegeben sind und ein Kind bei uns nicht glücklich werden würde, sprechen wir das offen an. Wir tragen eine zu große Verantwortung, um leichtfertig damit umzugehen.
Jeder Jugendliche hat feste Bezugsbetreuerinnen als kontinuierliche Ansprechpartner, und im Haus ist grundsätzlich rund um die Uhr pädagogisches Personal erreichbar – auch nachts.
Uns geht es darum, dass die Jugendlichen sich wohlfühlen, sich alters- und entwicklungsgemäß entfalten können und jederzeit die Möglichkeit haben, Belastungen oder Probleme anzusprechen. Im Grunde bieten wir das, was man in einem gut funktionierenden Elternhaus erwarten würde. Ich sage manchmal:“ Wir sehen euch teilweise häufiger als ihr eure Eltern zu Hause sehen würdet, wenn diese beruflich stark eingebunden sind.“
Aber damit es hier im Internat auch rund läuft, ist es wichtig, dass auch die Gruppe als soziales System stabil funktioniert.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist natürlich die schulische Anbindung. Die Basketballer besuchen alle das Pascal-Gymnasium und haben dort ihr Vormittagstraining. Das bedeutet aber auch, dass die schulischen Voraussetzungen für die gymnasiale Oberstufe erfüllt sein müssen – sonst ist eine Aufnahme ins Sportinternat nicht möglich.“
Und wann ist das Sportinternat voll?
RF: Das sind wir aktuell tatsächlich. Bei 29 Plätzen ist Schluss, und da haben wir gefühlt auch schon die Besenkammer belegt. Wir brauchen ja auch immer ein paar Betten für die Betreuer, die dann über Nacht hier sind. Dabei stellen die Volleyballerinnen vom VCO natürlich den größten Block. Basketballer werden wir nach den Sommerferien dann drei haben.
Das heißt, wenn jetzt weitere Talente beim UBC spielen wollten, wäre das Sportinternat erst einmal keine Option?
RF: Richtig. Da ist eine längerfristige Planung schon ziemlich wichtig. Das müssen die Trainer und die Vereine dann auch mit im Blick haben.
Angenommen, hat diese Hürden genommen, was unterscheidet das Leben im Internat von, sagen wir mal einer WG, wie sie vielleicht in anderen Städten angeboten wird?
RF: Na ja, bei uns geht es um viel mehr als um einen Schlafplatz. Bei dir, Justus, geht es um zwei Jahres deines Lebens, bei anderen sind es bis zu fünf Jahre, von der 9. Klasse bis zum Abi. Da passiert unheimlich viel, im Training und außerhalb. Du musst lernen, mit Rückschlägen umzugehen, wie kommst du mit den Trainern und Mitspielern klar, sieht dich der Trainer, kriegst du Einsatzzeit. Dann, wie läuft’s in der Schule, schaffst du es, beides parallel hinzukriegen? Was ist mit Freundschaften? Und, und, und.
Natürlich gibt es auch noch die Eltern, aber die sind manchmal weit weg. Da ist es wichtig, dass hier die Gemeinschaft stimmt, dass es gut ausgebildete Ansprechpartner gibt – wir sind da gar nicht so viel anders als andere Einrichtungen, die junge Menschen betreuen.
Unsere Aufgabe ist es, unsere Internatler*innen auch ein wenig auf das „Leben danach“ vorzubereiten, also nach dem Abi. Deshalb gibt es bei uns auch immer wieder Workshops, z.B. zum Thema Ernährung, Berufseignung, oder Sportpsychologie.
Justus, nach fast einem Jahr hast du ich im Sportinternat längst eingelebt. Wie ist es zu der Entscheidung gekommen, nach Münster zu ziehen?
JR: In der Jugend habe ich bei Schalke gespielt, und da sind die Metropol Baskets das naheliegende Team, um auf höchstem Level zu spielen. In der JBBL hatte das noch nicht geklappt, aber für die NBBL dann doch. Mir kam dann irgendwann der Gedanke, so mit Basketball irgendwann mal gerne Geld verdienen zu wollen, das professionell machen zu wollen. Wir sind in meinem ersten Jahr aber abgestiegen und haben die Qualifikation dann nicht geschafft.
Nach der Saison hatte ein Angebot aus Bremerhaven bekommen, die wollten mich gerne kennenlernen. Dort habe ich ein Probetraining gemacht und bin zum ersten Mal auf die Möglichkeit eines Sportinternats gebracht worden. Es passte aber nicht alles so auf Anhieb und wir haben uns Münster angeschaut, das ja viel näher liegt. Und ich muss sagen, so wie das hier mit dem Sportinternat läuft, mit der ganzen Betreuung, gefällt mir das viel, viel besser.
Aber das Sportinternat ist ja nicht das Einzige, was geklärt werden musste…
JR: Ja, genau. Das war alles ein bisschen hektisch, vor den Sommerferien. Ein Probetraining mit dem Team hatte ich schon gemacht. Am gleichen Tag, an dem wir uns das Sportinternat angeschaut haben, gab es auch ein Gespräch mit Andrej [König, Coach der UBC-U19], der mir dann zugesagt hat, dass er mich gerne hier in Münster hätte. Mit der Schule war es schon ein bisschen schwieriger, weil es keine Zeit mehr gab, wie sonst üblich zu hospitieren und weil ich davor auf einer Waldorfschule war. Aber mit Herrn Brameier [Direktor des Pascal-Gymnasiums] haben wir das hinbekommen, auch wenn ich jetzt mit Italienisch eine ganz neue Fremdsprache lerne und dieses Jahr erst in die Stufe 12 komme.
Am Ende bist du also mit beiden Beinen voran ins kalte Wasser gesprungen. Wie hat denn dann das Einleben an der Schule und im Sportinternat geklappt? War es nicht schwer, das Leben so völlig umzukrempeln?
JR: Also, erst einmal habe ich mich sehr gefreut. Natürlich ist es immer auch ein schwerer Schritt, die Familie zu verlassen. Und ich glaub richtig klar wird das auch erst, wenn man dann wirklich weg ist, weil man ja auch mit der Familie zusammen ist, man noch seine Freunde zu Hause hat. Als der Umzug dann anstand war ich schon ganz schön aufgeregt, aber das hat sich schnell gelegt. Manchmal vermisst man die Familie natürlich trotzdem, aber durch das viele Training den netten Umgang hier im Internat passiert das gar nicht so oft. Hier im Internat machen wir viele Aktivitäten zusammen, wir essen zusammen und es wird darauf geachtet, dass man gut ankommt. Und viele Jungs vom Training sehe ich ja auch in der Schule, die Sportler sind für Englisch, Mathe und Deutsch in einer Kerngruppe.
Von der Waldorfschule aufs Pascal, wie gut hat das funktioniert?
JR: Das war schon ein kleiner Unterschied. Die größte Umstellung war, glaube ich, mit dem iPad zu arbeiten, das habe ich vorher noch nie gemacht. Auf dem Pascal macht man im Prinzip alles auf diesem iPad, alle Fächer. Das war schon eine Umstellung. Aber schulisch lief das eigentlich ganz gut. Das Abitur wird ja auch an der Waldorfschule abgelegt, da sind die Inhalte natürlich gleich.
Wie war die Umstellung, was die Trainingsbedingungen angeht? Auf einmal hast du drei Mal in der Woche während der Schulzeit Training und dann noch einmal am späten Abend…
JR: Das mit dem spät abends das war gar nicht neu. Bei Metropol oder auch bei den Herren, dann in Recklinghausen hatte ich immer um 20:00 Uhr Training, meistens bis 22:00 Uhr und dann dauerte das nach Hause fahren auch immer eine halbe Stunde. Meine Eltern sind jetzt bestimmt froh, dass sich mich nicht jeden Abend abholen müssen. (lacht) Also: Spät war ich gewohnt, aber das mit dem Frühtraining kannte ich so nicht. Vorher hatte ich mal Krafttraining direkt vor dem Training oder so. Das ist dann natürlich noch mal eine andere Belastung. Man kann auch nicht mehr so Leistung abrufen. Deswegen ist das hier mit dem Frühtraining schon echt ziemlich gut, muss ich sagen, schon ein echter Fortschritt.
Apropos abends nach dem Training: Da hast du dann bestimmt noch Hunger, denn vor dem Training haut man sich ja nicht den Bauch voll. Wie funktioniert das hier im Internet mit dem Essen?
JR: Abends gibt es immer, so um 18.30 Uhr glaube ich, ein Buffet. Da kann man essen was man möchte und sich auch einen Teller für später fertig machen, den man dann einfach in den Kühlschrank stellt. Das machen ganz viele. Mittags essen wir in der Kantine der Sparkassenakademie, die ist auch richtig gut, würde ich sagen. Das Frühstück gibt es hier, Joghurt, Quark, Brötchen, Brot und an manchen Tagen auch mal etwas extra wie Rührei oder Tomaten und Mozzarella.
Und das Training bei Andrej? Wie ist das für dich? Du kannst ruhig mal aus dem Nähkästchen plaudern, er liest das bestimmt nicht!
JR: (lacht) Also ich würde sagen, durch das Früh- und Spättraining hat man auf jeden Fall mehr Intensität im Training. Und man merkt auch, dass das Team mehr zusammen als Team spielt als bei Metropol, weil Metropol ja so ein Zusammenschluss aus den verschiedensten Vereinen ist und die Spieler alle nur für dieses NBBL-Training zwei-, dreimal die Woche zusammenkommen. Die spielen aber alle woanders noch in Herrenmannschaften, dann immer mit anderen Systemen und so. Also das ist schon ein großer Vorteil in Münster, dass halt im Herrenbereich und im Jugendbereich viele Spieler immer gleich zusammenspielen, in der gleichen Konstellation und grundsätzlich auch mit den gleichen Systemen. Vom Training her macht natürlich jeder Trainer auch ein paar unterschiedliche Sachen. Aber ich glaube, wenn man schon ein bisschen Basketball auf hohem Niveau gespielt hat, kommt man relativ gut klar damit.
Jetzt, ein Jahr später, wie hast du dich entwickelt, wo siehst du deine Stärken, und wo siehst noch viel Entwicklungspotential nach oben? Was sind deine Ziele für die neue Saison?
JR: Ich würde sagen, meine Stärken liegt auf jeden Fall in der Verteidigung und auch im kommunizieren mit dem Team. Verbessern möchte und muss ich mich überall, würde ich sagen. Man hat ja nicht ausgelernt, sag ich mal, eher im Gegenteil. Für die nächste Saison möchte ich auf jeden Fall noch bissiger werden, mich mehr in die Offensive einbringen. Individuell möchte ich mich natürlich für viel möglichst viel Spielzeit empfehlen Das wird ja meine letzte Saison in der Jugend sein. Fürs Team, möchte ich auf jeden Fall, dass wir in den Playoffs weit kommen. Vielleicht auch Paderborn mal schlagen, mit Kröger habe ich ja noch eine Rechnung offen (lacht). Das wäre auf jeden Fall ein Ziel. Ein Traum wäre natürlich mal mit Münster in das Top 4 zu kommen. Ich glaube, wenn alle gesund bleiben, haben wir zumindest eine Chance dazu.
Du sprachst deine letzte Saison in der U19 an. Hast du schon einen Plan, was danach kommt? Eine Karriere in den Bundesligen ist ja auch irgendwann mal vorbei…
JR: Klar, wenn man hier im Sportinternat ist, möchte man natürlich auch mal mit dem Sport sein Geld verdienen. Für mich also dann mal über die ProB oder ProA reinkommen. Ich möchte so hoch spielen wie ich kann, muss aber natürlich schauen, wie so die Entwicklung ist, wie es so weitergeht, ob Angebote kommen. Gerne natürlich in Münster, aber das muss sich ja alles erst noch zeigen.
Hier im Sportinternat wird immer auch auf das zweite Standbein geachtet, wir haben auch dazu Seminare und so etwas. Im Moment finde ich Jura ganz interessant, das könnte ich mir vorstellen zu studieren. Ganz einfach ist das nicht, das hat man auch in der Regionalliga bei Fynn gemerkt, der war dann eine Zeit lang raus, weil er Klausurenphase hatte. Es ist immer so eine Frage, wie gut das nebenbei laufen kann. Oder sonst denke ich in die sportliche Richtung, so etwas wie Sportmanagement, Trainer nicht unbedingt.
Wir werden das auf jeden Fall beobachten! Herzlichen Dank für das Interview – und wir wünschen dir und dem Team viel Erfolg in der kommenden Saison!
JR: Danke!
Der Förderverein des UBC Münster hat ein Spendenprojekt angelegt, um Familien von talentierten jungen Basketballern bei Bezug des Sportinternats zu unterstützen.








