
D1 mit enttäuschender Niederlage in Frankenberg
3. März 2026(ar) Leonard Dertmann, Jahrgang 2007, ist Center des UBC Münster und einer der längsten Spieler in der NBBL. Verletzungsbedingt ein wenig gehandicappt spielte er in der Saison 2025/26 durchschnittlich 23 Minuten und erzielte dabei 8,4 Punkte sowie 5,0 Rebounds pro Partie. Für die LG Brillux Münster war er 2021 U16-Westfalenmeister im Hochsprung und wurde in den B-Nationalkader des DLV berufen.
Wir trafen ihn nach dem Vormittagstraining in der Ballsporthalle des Pascal-Gymnasiums.
Hallo Leonard! Fangen wir doch ganz am Anfang an: Wie bist du zum Basketball gekommen?
LD: Das kam hier übers Pascal[-Gymnasium]. Ich habe ja lange Leichtathletik, auch im Leistungssportbereich und zusammen mit den Basketballern mein Vormittagstraining gemacht. Davor, in der fünften und sechsten Klasse, war ich im Baustein Basketball. Von daher hatte ich schon ein bisschen Kontakt zu Philipp [Kappenstein], der damals der JBBL-Trainer war. Zum zweiten JBBL-Jahr, ich glaube, das war dann zur neunten oder zehnten Klasse, hatte er sich einmal mit mir hingesetzt und mir gesagt, wenn du noch anfangen und richtig was erreichen willst, dann wäre das dann wahrscheinlich der letzte Zeitpunkt. Und dann habe ich mir das durch den Kopf gehen lassen. Nach dem Leichtathletiktraining bin ich immer noch ein, zwei Stunden geblieben, um auf dem Freiplatz Basketball zu spielen. Da habe ich mir gedacht, Mann, wenn der Basketball offensichtlich mehr Spaß macht, dann macht es keinen Sinn, noch zwei Jahre zu verlieren. So habe mich entschieden All-in zu gehen und zu gucken, was sich ergibt.
Wie bist du dann eingestiegen?
LD: Zum zweiten Jahr JBBL habe ich angefangen, also als älterer Jahrgang. Es gab damals Tryouts und ich wollte, dass der damals neue Trainer, Gregor [Prehsl], mich ohne Vorurteile komplett neu anguckt und dann beurteilt, ob er das genauso sehen würde wie Philipp. Das hat er genauso gesehen und dann habe ich alle Trainingseinheiten mit der JBBL gemacht, und parallel zu meinen zwei, drei und zehn Minuten jeweils in der JBBL noch die U16-Spiele in der Regionalliga mitgemacht, um mehr Spielzeit zu kriegen.
Ursprünglich warst du ja mal Jugendleistungssportler im Hochsprung. Wie hast du die Umstellung auf Basketball an der Sportschule NRW mit dreimal Vormittags- und viermal Abendtraining bewältigt?
LD: An das reine Trainingspensum war ich ja schon von der Leichtathletik gewöhnt. Da hatte ich auch viermal nachmittags Training und dann die dreimal vormittags. Basketball ist natürlich eine ganz andere Belastung als Leichtathletik. Das habe ich auch sehr gemerkt. Ich glaube, dem waren meine ersten paar Verletzungen zu schulden, weil mein Körper einfach für die basketballspezifische Belastung noch nicht ready war. So rein belastungstechnisch war das von der Anzahl der Trainings kein großer Unterschied, aber natürlich von der Art der Belastung her. Am Wochenende ein, zwei Spiel zu haben war quasi auch neu. Davor habe ich noch Fußball gespielt. Da war dann mal ein Spiel am Wochenende, Leichtathletik war irgendwie alle paar Wochen mal ein Wettkampf oder so. Dann tatsächlich keinen freien Wochenendtag zu haben war dann eher ungewohnt für mich.
Du bist familiär vorbelastet: Dein Vater hat auch Basketball gespielt. Inwiefern hat das deine Entscheidung dann doch Basketball zu spielen beeinflußt?
LD: Mein Vater hat eigentlich bei der Entscheidung nur geholfen. Durch meinen Vater habe ich zum Beispiel den Basketball-Baustein damals in der 5./6. gemacht, wodurch dann der Kontakt zu Philipp zustande kam. Sonst wäre ich in den Leichtathletik-Baustein gegangen. Ich habe immer mal wieder Spiele von meinem Vater gesehen und damals noch in der Uni-Halle ab und zu Spiele von den WWU-Baskets geguckt. Zum siebten Geburtstag oder so habe ich meinen ersten Basketball bekommen und wir hatten einen Basketballkorb in der Einfahrt. Der Kontakt zum Basketball was also immer schon da. Aber die Entscheidung tatsächlich mit der Leichtathletik aufzuhören und mit dem Basketball anzufangen, war allein meine. Aber ja, insgesamt war er sicherlich auch ein Faktor.
Nach einem Jahr in der U16 ging es dann schon in die NBBL. Wie war das für dich?
LD: Ich hatte zu der Zeit gar keine Ansprüche an mich selbst, weil ich wusste, ich habe in der JBBL quasi keine Rolle gespielt. Jüngster Jahrgang NBBL ist deutlich härter als älterer Jahrgang JBBL. Dann habe ich einfach versucht, die Dinge, die ich ohne viel Basketballerfahrung beeinflussen kann, gut zu machen. Für meine Größe bin ich relativ schnell, damit kann ich in der Verteidigung ganz gut vor Gegenspielern bleiben. Oder ich rolle nach dem Screen hart und gucke dann, was sich ergibt. Damals hatten wir noch Adel [Medford, Jahrgang 2006, heute in der 1. Regionalliga West bei den LippeBaskets Werne aktiv], aber als der sich verletzt hatte, hatte ich teilweise auch sehr, sehr viel Spielzeit, so 30, 35 Minuten, dann aber auch wieder weniger. Das war ein Auf- und Ab. Am ehesten bin ich über die Defense reingekommen – so sollte das im jüngsten Jahrgang für die meisten das Ziel sein. Dann haben mich meine Verletzungen zurückgeworfen, so wie jetzt im dritten Jahr auch. Das tat insgesamt schon sehr weh, weil man erst immer besser wird, dann kommt die Verletzung, man ist ein, zwei, drei Monate raus und dann braucht man auch wieder ein, zwei, drei Monate, um auf sein Level davor zu kommen.
Jetzt sieht so aus, als würdest du jedes Spiel wieder ein bisschen besser werden. Wann bist du denn zusätzlich zur Jugend in den Herrenbereich gegangen?
LD: Mit dem Einstieg in die NBBL haben wir direkt in den Herrenmannschaften gespielt. Am Anfang noch in der dritten Herren in der Oberliga. Bei mir war es so, dass ich zweimal die Woche abends NBBL-Training und dann einmal bei der dritten und einmal bei der zweiten Training hatte. Nach Verletzungen dann immer erstmal ein paar Wochen wieder nur bei der dritten. Im zweiten Jahr habe ich mehr bei der zweiten mitgespielt und weniger bei der dritten. Jetzt, im dritten Jahr, trainiere ich nur noch bei der zweiten.
Aktuell bist du der längste Spieler im NBBL-Team. Wie groß warst du, als du in der JBBL angefangen hast?
LD: <lacht>Das weiß ich gar nicht so genau. Ich glaube, ich habe an den zwei Metern gekratzt.
Und wie groß bist du jetzt?
LD: Jetzt bin ich 2,08m. Mit Schuhen 2,10m. <lacht>
Du bist vom Typ her aber eher ein schlanker Spieler. Wie fühlt sich das an, wenn du in der NBBL gegen Typen wie Kröger oder in der Herren-Regionalliga gegen wesentlich schwerere Center spielst?
LD: Also das ist von Spiel zu Spiel sehr unterschiedlich. Da entwickele ich für mich persönlich einen Gameplan. Die meisten Spieler gegen die ich spiele werden einfach schwerer und physischer sein als ich. Diese Gegner wollen hauptsächlich aus dem Low Post oder unterm Korb ihre Vorteile gegen mich ausspielen. Da ist es mein Ziel, dass ich gar nicht zulasse, sie da an den Ball kommen zu lassen. Heißt, ich spiele hart im Deny, ich versuche die vorher rauszuhalten, ich versuche die Pässe auf sie zuzumachen. Ja, und ansonsten ist es einfach viel, viel fighten.
Das gilt jetzt auch für die Playoffs. Ich muss gar nicht jeden Rebound kriegen, aber ich möchte verhindern, dass Kröger sie kriegt.
Die Hauptrunde habt ihr erfolgreich mit dem Klassenerhalt abgeschlossen, auch wenn die letzten beiden Spiele verloren gingen. Im vierten Viertel gegen Vechta hattest du ein persönliches Highlight: Einen Alley-Oop-Dunk. Was bedeutet so etwas für die Motivation? Gibt das einen Push, reißt das die ganze Mannschaft mit?
Es macht auf jeden Fall Spaß, wenn man dann in der Luft ist und merkt, das geht jetzt gut aus. Während des Spiels gebe ich da gar nicht so viel drauf. Ich probiere nach guten Aktionen nicht übereuphorisch zu sein und dann mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Gleichzeitig versuche ich mich vielleicht von schlechten Aktionen nicht zu sehr runterzumachen zu lassen. Also ich probiere, dass ich während des Spiels möglichst ausgeglichen spiele und auch vom Kopf her möglichst ruhig bin. Dann nach dem Spiel gibt mir das einfach ein gesundes Selbstvertrauen, dass ich weiß, dass ich gute Momente habe und haben kann. Und ja, es gibt mir einfach dann viel Selbstvertrauen für die Playoffs, dass ich weiß, dass ich nicht nur mithalten sondern auch Akzente setzen und Highlight-Plays kreieren kann.
Die NBBL ist die höchste deutsche Spielklasse. Was würdest du Spielern, z.B. aus der U12 oder U14 sagen, wie sie in das NBBL-Team kommen können?
LD: Ich würde sagen, wichtig ist der Spaß am Basketball und auf jeden Fall Disziplin. Ich denke, wenn man in der U12 schon dabei ist und man bei jedem Training dabei ist, bei jedem Training schon 100 Prozent gibt, dass man sich dann auch vor den anderen heraustun wird. Mit der Zeit wird man dann auch immer besser hhat schon realistische Chancen auf die NBBL. Und wenn man dann zusätzlich zum normalen Training noch selber was macht, Ballhandling im Garten, auf der Straße, oder auf den Freiplatz geht, ein paar zusätzliche Würfe nimmt, sich viel Basketball anguckt, dann ist das auf jeden Fall realistisch.
Du hast ja besonders viel Erfahrung mit Rückschlägen. Wie geht man damit um, wenn es mal nicht so läuft? Oder man nicht spielt oder nicht spielen kann?
LD: Also ich glaube 100% gut umgehen damit kann man nicht. Ich leide jedes Mal wieder, wenn ich mich neu verletze. Man muss einfach irgendwie dranbleiben. In dem Moment kann man ja nichts dran ändern. Man kann alles für eine schnelle Recovery machen, bei einem Bänderriss. Man kann den Fuß hochlegen, man kann ihn kühlen. Man kann auf die Ernährung achten. Ich hatte immer so einen Hunger auf Basketball, wenn ich eine Woche lang oder so nicht gespielt habe. Dann habe ich geguckt, wie kann ich den Fuß möglichst stilllegen und trotzdem irgendwie im Sitzen werfen? Meine Mutter hat sogar mal gereboundet für mich. <lacht>
Das sind so die ersten paar Wochen.Danach kann man so schnell wie möglich wieder einsteigen, mit Muskelaufbau und Beweglickeit, nur so wie es der Fuß natürlich auch erlaubt. Du kannst auch mental was machen, dir überlegen, wie du spielen willst, wenn du zurückkommst. Man muss einfach nach vorne gucken und weitermachen.
Du bist einer von nur noch drei Spielern im ältesten Jahrgang und hast dein Abitur schon letztes Jahr gemacht. Was hat dich dazu bewogen, dieses Jahr weiterzumachen? Und was machst du „nebenbei“, da du nicht mehr zur Schule gehst?
LD:Was mich dazu bewogen hat, war relativ einfach: Ich möchte Basketball spielen, so lange wie möglich, so hoch wie möglich, so gut wie möglich. Deshalb stand für mich fest, ich bleibe weiter beim Basketball, ich spiele auf jeden Fall weiter. Trotzdem muss es einen Plan B geben, also habe ich an der Uni Münster ein BWL-Studium angefangen. Das ist relativ flexibel und ich muss mich noch nicht stark spezialisieren.
Was hast du für Ziele, für das Team und für dich selbst, für die Playoffs?
LD: Ich fange mal mit der Mannschaft an. Also ich bin kein Fan davon zu sagen, wir wollen jetzt nur die erste Runde überstehen, und wenn wir in der zweiten Runde rausfliegen, dann ist alles super. Die letzten beiden Spiele in der normalen Saison waren tatsächlich nicht gut, sonst hätten wir auch noch Chancen auf den dritten Platz gehabt. Deshalb denke ich, wir sind auf jeden Fall gut genug, um weiterzukommen. Paderborn in der ersten Runde, ist das einzige Team neben Alba, gegen das wir in der regulären Saison zweimal verloren haben. Ja gut, ist natürlich nicht ganz so schön, aber da müssen wir irgendwie durch. Ich denke, dass wir die auch schlagen können. In der zweiten Runde müssen wir auf jeden Fall unseren besten Basketball spielen. Ganz hypothetisch will ich natürlich jedes Spiel gewinnen, ob das jetzt realistisch ist, sei mal dahingestellt.
Und für meine eigenen Ziele… Die letzten paar Spiele von mir waren wieder ein bisschen besser. Ich denke aber, dass ich noch mehr kann und noch besser spielen kann. Und das will ich jetzt konstant zeigen und abrufen: Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass wir das Teamziel auch erfüllen.
Nach diesen Playoffs scheidest du aus der NBBL aus. Hast du eine Ahnung, wie es dann für dich weitergehen soll?
LD: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das noch gar nicht in meinem Kopf ist. Dass die NBBL wegfällt, ist natürlich blöd. Vor allem, weil ich in einer Welt ohne die ganzen Verletzungen in der nächsten Saison vielleicht zwischen zweiter Herren und ProA stehen würde. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das relativ unrealistisch, deshalb muss ich einfach mal gucken, wie ich das mache. Die Regio-Mannschaft hat nur zweimal in der Woche abends Training. Das ist mir zu wenig. Ich bin ein junger Spieler und dadurch, dass ich vor allem erst seit drei, vier Jahren Basketball spiele, stehe ich eher am Anfang meiner Entwicklung. Da möchte ich natürlich jeden Tag trainieren, um besser zu werden. Dafür muss ich irgendwie eine Lösung finden. Aber ich will nächste Saison irgendwo weiterhin auf Leistung spielen und auch so, dass ich merke, dass ich deutlich besser werde.
Fotos: Giuseppe Vedda, Alexander Krone

Viel Erfolg in den Playoffs und vor allem, bleib gesund! Herzlichen Dank für das Interview.




