
Meisterschaft perfekt: Herren 4 stürmen ungeschlagen mit 84:45 in die Landesliga!
18. März 2026(ar) Erik Niggemann, Jahrgang 2007, ist ein Eigengewächs des UBC. Er spielt in der NBBL und in der zweiten Herrenmannschaft. Auffällig ist er vor allem für seine kompromisslose Defense.
Wir trafen ihn vor dem Beginn der Playoffs in der Ballsporthalle des Pascal-Gymnasiums.
Hallo Erik! Fangen wir am Anfang an: Wie bist du zum Basketball gekommen?
Übers Pascal-Gymnasium: Mein Bruder [Mats – spielte ebenfalls NBBL] war schon vor mir auf der Schule. Er war im Vormittagstraining und ihm hat das gut gefallen, daher habe ich mir das beim Tag der Offenen Tür auch angeguckt. Mir hat es auch sehr gut gefallen und dann bin ich über den Baustein [5./6. Klasse] von der Schule zum Basketball gekommen. Die ersten Jahre habe ich parallel dazu noch Fußball gespielt, aber dann ab der U14 gab es für mich nur noch Basketball.
Wolltest du von Anfang an Leistungsbasketball spielen?
Am Anfang war es erstmal ein Reinschnuppern, wie es so ist, aber ab dem zweiten Jahr U14 ging es dann richtig auf Leistung. Und ab da kontinuierlich, so ab der siebten, achten Klasse.
Das ist eine lange Zeit, mit vielen Trainingseinheiten und vielen Spielen am Wochenende. Was macht für dich die Faszination aus? Was motiviert dich?
Als Team etwas zu erreichen. Am Anfang der Saison hätte ich zum Beispiel nicht gedacht, dass wir schon nach, acht oder neun Spielen die Playoffs sichern würden. Das zusammen zu schaffen, das ist einfach ein Ansporn, der immer da ist, wenn man mit einem Team trainiert. Das Ganze macht einfach viel Spass, weil man mit vielen Freunden zusammenspielt, sich gegenseitig pusht. Das motiviert täglich, weiterzumachen.
Aber es gibt bestimmt Tage, an denen das schwierig ist, wenn man zum Beispiel am Samstagabend erst spät von einem Regionalligaspiel nach Hause kommt und am nächsten Morgen frühmorgens den Zug erwischen muss, um nach Berlin zu fahren.
Am Sonntagmorgen ist die Motivation selten besonders hoch, vor allem wenn wir am Samstagabend ein Spiel auswärts haben, erst spätabends nach Hause kommen, und dann am nächsten Tag in Berlin, Rostock oder so ähnlich antreten müssen. Aber das kriegen wir ganz gut hin, das auf den Fahrten immer ganz schnell zu ändern, wenn man als Team ein bisschen quatscht, Musik hört und sich gegenseitig gute Laune macht. Genug Zeit zum wach werden, auf jeden Fall. <lacht>
Was macht denn für dich am meisten Spaß in der NBBL zu spielen? Von außen betrachtet wirken ja Gegner wie ALBA Berlin oder Rasta Vechta oft übermächtig, kann das nicht frustrierend sein?
Ich würde einfach sagen, dass man, vor allem, wenn man gegen so große Gegner wie Alba spielt, das als Challenge annimmt und sich denkt, auch wenn wir kleiner sind, wir können alle auch Basketball spielen. Deswegen glaube ich, dass diejenigen, die schon ein bisschen länger beim Leistungsbasketball dabei sind, sich da weniger Druck machen und sich eher denken, jetzt haben wir mal eine Chance zu zeigen, dass wir es auch gegen die können. Also da empfinde ich den Druck als eher nicht so hoch.
Am kommenden Wochenende beginnt der Höhepunkt der Saison, die Playoffs gegen Paderborn. Wie siehst du deine Rolle beim ersten Spiel?
Ich würde vor allem sagen, dass wir im Altjahrgang, also Leo, Leonard und ich, eine Führungsrolle übernehmen müssen, auch vor allem, weil wir jetzt ja schon die Playoffs die letzten zwei Jahre schon miterlebt haben. Und ich glaube, dass meine Rolle da vor allem drin liegt, den Gegnern auf die Nerven zu gehen: Druck zu machen und dann auch in der Offense versuchen, den größtmöglichen Impact zu haben.
Wie schätzt du eure Chancen gegen Paderborn ein?
Ich glaube, dass wir in den ersten beiden Spielen der Saison gezeigt haben, dass wir auf jeden Fall mithalten können. Ich glaube, dass wenn wir unseren Job erledigen und versuchen, deren Schlüsselspieler rauszunehmen, wir dann auch gute Chancen haben, die Serie zu gewinnen.
Du hast eure Führungsrolle angesprochen. Was könnt ihr euren jüngeren Teamkollegen mitgeben?
Als Altjahrgang habe ich selbst miterlebt, wie es bei mir im Jungjahrgang war, dass der Altjahrgang das Kommunizieren auf dem Feld oder die Calls auf dem Feld weitergegeben hat, damit jeder Bescheid weiß, was gerade läuft. Auf dem Feld, aber auch auf der Bank, musst du den Mund aufmachen, wenn du einen Verbesserungsvorschlag hast, oder auch die jüngeren mal packen, wenn sie zu aufregt sind. Du musst deine Erfahrung weitergeben.
Jetzt habt ihr tatsächlich nur noch drei Spieler aus dem Altjahrgang. Wie ist das im Vergleich zu früheren Jahren?
In meinem ersten Jahr gab es sieben oder acht 2005er, also schon mal ein großer Unterschied zum jetzigen Jahrgang. Da gab es für uns sehr wenig Einsatzzeit, vor allem weil es in der NBBL ja drei Jahrgänge gibt. In diesem Jahr müssen die jüngeren viel mehr ran und für mein Empfinden machen die 2008er und 2009er einen sehr guten Job. Vor allem die 2009er, die gerade erst aus der JBBL hochgekommen sind, nehmen das schnellere Spiel sehr gut an und verbessern sich täglich im Training.
Runde 1 in Paderborn: Wen willst du besonders ärgern?
Also ich würde gerne Tom Brüggemann verteidigen. Der wird, glaube ich, die Hauptaufgabe für Leo und mich werden. Wir müssen bei ihm und Gebauer versuchen, eng dran zu bleiben und ihm auf die Nerven zu gehen, damit er nicht in sein Spiel findet.
Wir haben alle Leonard Kröger und Tom Brüggemann als Nationalspieler auf dem Schirm. Du hast jetzt Gebauer genannt. Vergisst man da leicht, dass Paderborn noch mehr gute Spieler hat?
Wenn man wie in Paderborn zwei so hervorragende Spieler wie Kröger und Brüggemann hat, auf die man sich konzentriert, dann heißt das ja automatisch, dass man den anderen dann mehr Freiräume geben muss. Also entweder gibt man Brüggemann und Kröger ein bisschen Platz und die machen daraus viel. Oder man gibt Role Playern ein bisschen mehr Lücken, die die dann manchmal ausnutzen können. Das ist dann ein Faktor, mit dem man leben muss.
Was ist mit beispielsweise mit Bristina, der in beiden Spielen gegen euch der Topscorer war? Ist der jetzt Teil des Game Plans oder muss man mit seinen Punkten einfach leben?
Der hat uns vor allem im ersten Spiel, als er im ersten Viertel, glaube ich, elf Punkte gemacht hat, wirklich wehgetan. Wir waren darauf nicht vorbereitet, haben ihn bei den Closeouts nicht richtig gelesen und falsch reagiert. Aber ich hoffe, dass wir ihn in den Playoffs als dann dritten oder vierten Führungsspieler etwas besser aus dem Spiel nehmen können. Bevor er in der Hauptrunde gegen uns gespielt hat, hat er deutlich weniger Punkte gemacht.
Nach dem ersten Spiel gegen Paderborn gibt es auf jeden Fall noch ein Rückspiel hier in Münster [So. 22.03., 16.30 Uhr in der alten Pascal-Halle]. Habt ihr euch vorgenommen, da mal die Halle vollzukriegen, alle eure Freunde und Bekannten ranzuholen? Es ist schließlich für euch das Top-Spiel der Saison, oder?
Die letzten Jahre war es immer so, dass in dem zweiten Playoff-Spiel, das ja immer in Münster war, vom Gefühl her die Halle richtig voll war. In einer vollen Halle fühlt sich ein Spiel schon ganz anders an. Ich hoffe natürlich, dass die Halle wieder ansatzweise so voll oder noch voller wird als die letzten Jahre. Und ich glaube auch, dass dann viele Bekannte oder Freunde aus der Schule oder dem Familienkreis zum Zuschauen kommen werden.
Wo würdest du persönlich lieber spielen, in der Ballsporthalle oder in der alten Halle?
An die Ballsporthalle habe ich mich mittlerweile mehr gewöhnt, aber in der alten Halle sind wir quasi groß geworden und haben dort das Basketballspielen gelernt. Das ist noch mal ein anderes Gefühl. Ich glaube da spielen wir einfach noch ein bisschen besser, und haben das ja auch schon gegen Rostock und Leverkusen gezeigt. Daher glaube ich, dass wir in der alten Halle genauso gut, wenn nicht sogar besser klarkommen werden.
Du bist berüchtigt für deine Defense und deine Dreier. Was für Tipps würdest du jungen Spielern, die jetzt in der U12 oder U14 sind, geben, um es auch irgendwann in die NBBL zu schaffen?
Also für mich persönlich war es immer am einfachsten, beim Training bzw. dann auch in den Spielen von Anfang an immer alles zu geben, immer dem Team das zu geben, was es gerade brauchte. In meinem Fall war das oft genau das, dass ich Defense spiele und in der Offense dann die Dreier nehme. Am Ende musst du deine Stärken ausspielen, dich da immer weiter verbessern. Gleichzeitig musst du natürlich auch an deinen Schwachstellen arbeiten. Es ist egal, wie gut du glaubst zu sein, wenn du keinen Bock auf Defense, das Hustlen und die Drecksarbeit [z.B. das Rebounding] hast, hast du in der NBBL nichts zu suchen.
Egal wie weit ihr in den Playoffs kommt, für dich wird das der Abschluss im Jugendbasketball sein. Hast du schon Pläne für die Zeit danach?
Erst einmal möchte ich in den Playoffs natürlich so weit kommen, wie es geht. Dann bin ich nächstes Jahr auch noch in der Schule. Ich werde auf jeden Fall noch hier in Münster, wahrscheinlich in der zweiten Herren, spielen. Alles andere ist noch völlig offen, ich werde danach erst einmal gucken, was sich so ergibt. Also ob ich dann schon anfange zu studieren, eine Ausbildung mache oder erst mal ein bisschen die Welt bereise. Aber ich glaube, dass Basketball immer eine Rolle spielen wird. Egal ob ich dann studiere oder eine Ausbildung mache, ob es dann in Münster ist, oder in einer anderen Stadt, habe ich trotzdem vor weiter Basketball zu spielen.
Würde es dich vielleicht auch reizen, mal als Trainer aktiv zu werden, z.B. eine U12 oder U14 mit zu trainieren?
Das kann ich mir schon vorstellen, aber eher später, wenn ich schon einen Job habe und nicht mehr selbst so viel spiele. In den nächsten Jahren werde ich wohl erstmal kein Trainer werden.
Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg in den Playoffs!
Danke!
Fotos: Peter Obstfeld





