
4. Damen holt 3. Saisonsieg
27. Februar 2026Leo Kirchhoff, Jahrgang 2007, ist Ko-Kapitän der NBBL-Mannschaft des UBC Münster. In der Hauptgruppe A der NBBL hat er mit 231 Punkten die meisten Punkte aller Spieler erzielt. Dazu hat er 118-mal an der Freiwurflinie gestanden und 78-mal getroffen, jeweils Höchstwerte für die gesamte Liga. Dazu kommen 83 Defensivrebounds – Gesamtligarang 3 hinter Leonard Kröger (Paderborn) und Bruno Loll (Rostock). Als Point Guard.
Wir trafen ihn nach dem Vormittagstraining in der Ballsporthalle des Pascal-Gymnasiums.
Hallo Leo! Herzlichen Glückwunsch zum Erreichen der Playoffs! Wie geil!
LK: <lacht> Also erstmal natürlich, wir haben den Klassenhalt geschafft. Wir sind durch, das war ja relativ früh schon die Hoffnung, das haben wir uns dann selbst so ein bisschen verspielt mit dem Spiel in Rostock. Hätte man das gewonnen, wären wir schon da safe gewesen, um die Weihnachtspause.
Wir haben jetzt erstmal große Chancen, auch in den Playoffs noch weit zu kommen. Paderborn in der ersten Runde ist natürlich wieder ein guter Gegner. Wir haben jetzt zweimal gegen sie gespielt. Wir haben einmal mit Vollbesetzung knapp gespielt und dann einmal mit ein bisschen ungünstigen Umständen nochmal knapp gespielt.
Und Paderborn ist ja auch so eine, ich sag mal, schon längere Rivalität, die man da über die letzten Jahre hat. Wie oft haben die Älteren auch gegen Paderborn gespielt? Es gab ja, ich glaube, zwei, letztes Jahr wir nochmal, drei Playoff-Serien gegen Paderborn, die alle verloren wurden. Das heißt, so langsam ist auch so ein bisschen der Anspruch da, wir wollen jetzt auch mal gewinnen und eine Runde weiterkommen. Deswegen, das Feuer ist auf jeden Fall bei allen da.
Sind die Playoffs für das Team spürbar etwas anderes?
LK: Ja, Playoffs sind natürlich immer auch ganz geil. Da ist ein bisschen bessere Stimmung nochmal und man spielt mehrfach gegen denselben Gegner. Wir hatten das ja jetzt dieses Jahr schon oft mit Back-to-Backs. Das ist immer eine etwas andere Stimmung dann im zweiten oder dritten Spiel, weil alle mehr Bock haben und alle wissen, letztes Spiel war das und das und jetzt kann man sich vorbereiten und man will noch mal zeigen, was man über die Woche gelernt hat.
Kannst du uns ein bisschen erzählen, was die Herausforderung an Paderborn ist? Ist das nur Leonard Kröger?
LK: Nein, nicht nur. Wir haben die jetzt gesehen mit Tom [Brüggemann] und ohne Tom, das hat jetzt vom reinen Ergebnis her nicht den großen Unterschied gemacht. Ich glaube du musst das Duo aus den beiden stoppen, weil das Duo ist wirklich stark. Tom, super im Pick and Roll, hat da viel Geduld, nimmt sich viel Zeit, findet seine Mitspieler sehr gut und Kröger ist ein guter Center, der Bälle fängt und auch schwere Bälle reinmacht. Es wird einen Plan geben und den werden wir die nächsten zwei, drei Wochen intensiv durchgehen. Aber ich glaube, es ist dann einfach auch wieder viel Wille, sage ich mal.

Der beste Scorer gegen euch war zweimal allerdings Bristina…
LK: Ja, der ist tatsächlich, muss man sagen, irgendwie ein bisschen untergegangen. Wir haben viel Fokus auf Kröger, Kröger und Tom gelegt und das war dann so, wir helfen, sind von ihm weg und er [Bristina] hat die Würfe gemacht in Münster. Was hat er geworfen? Fünf aus acht Dreier oder so? [Anm.: 3/4 Dreier, 23 Punkte insgesamt im Hinspiel, 5/8 Dreier, 15 Punkte im Rückspiel] Also das sind gute Quoten. Er hat uns da im ersten Viertel wirklich bestraft, 13 Punkte gehabt. Da muss man dann gucken, dass man ihn in den Playoffs nicht auch wieder aus den Augen verliert.
Und was kann eure Bank beitragen?
LK: Ich würde sagen, von der Bank brauchen wir viel Commitment, in der Defense vor allem. Das war für mich letztes Jahr [bei den Herren 2 in der Regionalliga West] auch so, ich kam Anfang der Saison immer von der Bank und da ist einfach: Gib Energie, bring Energie irgendwie, mach irgendwas Positives auf dem Feld. Fang in der Defense an und dann ist da das Rebounding. Also wenn einer von den Centern es schafft, Kröger rauszuschieben, dann müssen wir anderen natürlich die Bälle einsammeln. Wir können nicht von unseren Centern erwarten, dass die Kröger raushalten und auch noch selbst den Ball holen.
Was können denn eure Center überhaupt gegen einen Typen wir Kröger ausrichten?
LK: Ich glaube, alle haben noch großes Upside besser zu spielen, alle hatten Ärger mit Krankheit oder Verletzungen. Und es ist ja bei jedem so, man kann nicht jedes Spiel perfekt spielen und nicht jedes Spiel gut spielen. Das ist bei allen so. Ich hoffe natürlich, dass wir dann in den Playoffs, weil wir ein bisschen darauf angewiesen sind, mindestens zwei gute Wochen haben. Man merkt, Leonard [Dertmann] kommt jetzt nach der Verletzung wieder rein. Jedes Spiel bringt ihm mehr. Ich glaube, dass sie auch Ansprüche an sich selbst haben, dann besser zu spielen. Und umso öfter man gegen wen spielt, umso persönlicher wird es dann auch. Deswegen glaube ich, wird das ein Matchup, wo wir dann auch noch einmal eine andere Intensität von den drei erwarten können. Aber wir tragen alle die Verantwortung, wir müssen als Team gut spielen. Natürlich sind die Center im Fokus, weil der beste Spieler von den Gegnern auf derselben Position spielt, aber das wissen sie auch und werden alles tun, was sie können. Davon bin ich überzeugt.
Erik [Niggemann] und du, ihr fallt durch große Physis auf dem Feld auf. Liegt das daran, dass ihr zum älteren NBBL-Jahrgang gehört? Es gibt ja in diesem Jahr nur drei von euch.
LK: Bestimmt. Und ja, es ist natürlich schade, dass die anderen so da ihren eigenen Weg gehen, und Basketball erstmal nach hinten gestellt haben. Achtmal die Woche, mit Vormittagstraining, seitdem man 13/14 ist, das ist ja auch eine ganz schöne Belastung. Irgendwann braucht man dann mal eine Pause, das kann ich gut verstehen.
Das ist jetzt eine Umstellung, denn sonst hieß es immer der ältere Jahrgang, der ist der stärkste, der muss viel spielen, und jetzt müssen die jüngeren Jahrgänge da ran, richtige Lücken füllen und gut spielen. Für mich war das eher so: Ich habe mein Abitur durch. Was will ich machen? Ja, Fokus auf Basketball, ich spiele mein letztes Jahr noch hier zu Ende. Versuche viel zu erreichen und dann zu gucken, was nach dem Jahr geht, wenn die Jugend vorbei ist. Aber mein letztes Jugendjahr wollte ich auf jeden Fall noch hier spielen, damit ich quasi die Jugend einmal komplett hier durchlaufen habe.
Und nebenher machst du dann noch nichts?
LK: Doch, ich studiere nebenbei Wirtschaftsinformatik, aber online an der Fernuni in Hagen. Das ist gut kompatibel zum Basketballspielen, weil ich dann ja auch nicht immer morgens zu den Vorlesungen muss und das Vormittagstraining verpasse, sondern ich kann wirklich richtig zum Training und kann das dann alles quasi in den Lücken, die ich habe, nacharbeiten.
Nach diesem Jahr, willst du dann an einer regulären Uni weitermachen?
LK: Das Online-Studium kann ich mir anrechnen lassen. Also ich könnte damit jederzeit an die normale Uni gehen, aber ich kann auch meinen Bachelor komplett machen. Deswegen ist so ein bisschen die Frage, wie weit mich der Basketball noch trägt, das möglichst auszureizen, zu gucken, wo es mich so hinverschlägt, was so die Optionen sind, und das Studium parallel laufen zu lassen.
Kommen wir von der Zukunft noch einmal zur Vergangenheit: Wie hast du eigentlich mit Basketball angefangen?
LK: Tatsächlich eine gute Frage. Ich habe noch in Bochum gewohnt, mit dem Basketballkorb im Garten, wo ich einfach ab und zu drauf geworfen habe, mit meinem Vater. Und dann sind wir umgezogen und dann war es so, ja, was mache ich jetzt? Da habe ich angefangen im Sommer einfach immer mit ihm zu werfen. Dann habe ich in der U10 angefangen in Hiltrup zu spielen, habe eine halbe Saison gespielt. Da habe ich gehört der UBC Münster sucht noch Spieler für die U12 bei Leo Padberg. Und Leo Padberg kannte man ja so ein bisschen aus der ersten Mannschaft und dann hieß es ja komm, Leo, du hast Spaß, man sieht schon, der hat Bock drauf. Fahr doch mal hin, melde dich mal beim Training an. Das habe ich gemacht und es hat mir Spaß gemacht und dann hat sich das so entwickelt. Dann kam die U12 bei Leo Padberg im ersten Jahr. Dann hatte ich ja meine Geschichte mit dem Fuß, war dann ein halbes bis dreiviertel Jahr komplett raus. Dann habe ich zum zweiten Jahr nochmal das Ende mitgespielt und dann kam ich zur U14 zu Marsha [Owusu Gyamfi] und da ging es dann so richtig los mit “Das wird jetzt auf Leistungsniveau betrieben”.
Was würdest du jungen Spielern, aus der U12 oder U14, sagen, was sie machen sollen, um tatsächlich irgendwann mal in die NBBL ganz nach oben zu kommen und mit den besten Spielern in Deutschland zu spielen? Was muss man machen, um in die NBBL zu kommen?
LK: Ja, ich glaube, es gehört natürlich auch immer ein bisschen Glück dazu, aber man muss an sich arbeiten, also man muss ein bisschen gucken, was ist so mein Spiel, woran kann ich mich orientieren. Ich habe einfach immer viel den Ball in der Hand gehabt. Es geht nicht immer darum, ich muss jetzt heute das und das lernen können, sondern einfach, ich gehe in die Halle, ich nehme ein paar Würfe, ich gehe spielen, ich habe Spaß daran. Ich glaube, wenn man irgendwann den Spaß verliert, dann ist es auch einfach schwerer. Die viele Zeit, die man mit dem Sport verbringt muss Spaß machen. Und wir verbringen viel Zeit in der Halle. Deswegen wird man irgendwann besser. Dann ist der größte Unterschied irgendwann, dass du Confidence findest. Das war lange mein Problem. Wenn es nicht läuft, hinterfrage ich viel, bin relativ schnell von mir selber enttäuscht. Daran arbeite ich, es wird schon besser. Über die Jahre habe ich mir so ein bisschen Freiheit erspielt und damit den Druck ein bisschen verloren, dass ich gut spielen muss. Jetzt ist es einfach: Spiel dein Spiel, mach dein Ding und wenn du genug trainierst und genug Touch fürs Spiel hast, diesen Spielspaß findest, dann läuft’s. Das wichtige ist einfach: Geh zum Training, nimm das Training ernst. Mach was aus dem Training und vergeude nicht deine Zeit, aber geh in deiner Freizeit vielleicht einfach zocken, ohne so hohe Ansprüche wie im Training und dann spiel das Spiel, spiel einfach Basketball. Dann läuft es von selber irgendwann. Ich glaube, da gibt es kein Richtig oder Falsch, was man machen muss. Es ist einfach, hab Spaß beim Basketballspielen. Ich glaube, das ist für die meisten einfach das Ding.
Also ist vor allem Dranbleiben wichtig? Aber wie kommt man rein? Ihr trainiert ja schon siebenmal die Woche…
Ich glaube, auf dem Niveau ist es dann auch einfach ein bisschen der Wille. Letzte Saison, bin ich zusätzlich in der dritten Herren gestartet, habe dann die Chance in der zweiten bekommen und dann habe ich meine Chance einfach durch Defense genutzt. Klar gehört auch ein bisschen Begabung zu, aber Defense ist einfach nur Wille. Will ich arbeiten, will ich, dass mein Mann nicht punktet? Also will ich zeigen, dass ich hier Bock drauf habe? In der Defense fängt es an, da kann ich dem Trainer zeigen, ich habe Bock zu arbeiten und ich beiß mich durch.
Für mich war das Schüsselspiel das gegen Herten letztes Jahr mit Bryant Allen. Ein wendiger Ami-Guard, ein Leftie, ist der Topscorer der Liga gewesen. Mein Ziel war einfach: Den stoppe ich jetzt und damit zeige ich, wie sehr spielen will. Es kommt nicht allein auf die Größe an, auch kleinere Spieler können etwas aus sich machen. Offensiv musst du deine Lösung finden, aber da gibt es genug kleine Guards, die man sich auf höherem Niveau angucken kann, z.B. in der Euroleague. Aber vor allem kann man in der Defensive zeigen, das man richtig will. Und dann kommt die Offense auch von selber. Also nimm Offensivfouls an, stell dich hin, lass dich umrennen, arbeite übers ganze Feld, du bist klein, du bist wendig, du bist schnell, da haben viele große Guards dann Probleme mit, wenn du über das ganze Feld Druck machst.
Dazu ein bisschen Köpfchen, ein bisschen antizipieren, vielleicht mal hier oder da im Passweg stehen und dann, wenn man älter wird und die Erfahrung hat, kann man auch so ein bisschen gucken, dass man seinen Gegenspieler in so ein paar Dinge reinzwingt, was für ihn dann schlecht ausgeht. Zum Beispiel du lässt ein bisschen Abstand, läßt eine Lücke. Ein Gegner denkt, er kann den Pass spielen und du rennst schnell rein, weil du weißt, dass der Pass kommt. Da spielt dann irgendwann die Erfahrung rein. Aber vor allem als kleiner Guard kann man in der Defense viel rausholen. Also sehr, sehr viel und damit sich auch Spielzeit in höheren Mannschaften verdienen.
LK: Vorhin hattest du schon Marsha erwähnt, die viel Energie in die Jugendarbeit gebracht hat. Wie groß war der Sprung in den Leistungsbereich?
Es war natürlich erstmal was ganz anderes. Ich kann mich noch erinnern, es war mein erstes Training, eine relativ kleine Truppe. Wir waren, glaube ich, acht Mann in der alten Halle, auf dem Halbfeld haben wir 3 gegen 3 gespielt und ich war das erste Mal dabei als noch jüngster. Ich war eigentlich noch ein Jahr drunter unter der Altersklasse, aber ich sollte einmal mittrainieren. Da war ich erschrocken, dass es da doch auch schon in der U14 relativ physisch und kräftig zugeht. Aber ich fand’s gut, weil das Spielniveau war natürlich viel höher und ich konnte viel von den älteren abgucken. Das war natürlich erstmal dann so ein kleiner Schreck, aber der Spaß ist immer da geblieben. Auf jeden Fall. Wenn das Niveau steigt, ist das eher eine Challenge und die nehme ich gerne an.
Jetzt kam gerade die nächste Auszeichnung, so wie vorher schon Paul und Thore bist du in den ProA-Trainingskader der Uni Baskets eingeladen worden. Wir war das so für dich?
LK: Ja, also ich war jetzt zweimal da, das ist was ganz anderes. Man kommt da unten rein und da sitzen wirklich Profis, die das hauptberuflich machen und zu ihrem Leben machen. Und das ist natürlich ganz anders. Ich komme hier in die NBBL-Kabine rein und da sind alle gleichaltrig, alle sehen so ein bisschen aus wie ich, aber da ist es wirklich, da kommt man rein und da sind gestandene erwachsene Männer, anderthalb, zweieinhalb Köpfe größer, doppelt so breit wie ich, richtig kräftig. Man sieht wirklich, die sind muskelbepackt. Und dann setzt man sich da rein. Das ist natürlich erstmal so ein bisschen einschüchternd.
Aber dann kommt man in den ersten Kontakt und alle sind wirklich super nett. Alle reden mit einem, alle interessieren sich für einen, dann geht das Training los, das ist dann wie hier und man hat Spaß. Ich wurde sofort in das Team integriert, wurde direkt angenommen. Alle haben mit mir geredet, alle haben mit mir Sachen gemacht. Ich stehe nicht nur am Rand, sondern ich darf richtig mitmachen. Es ist natürlich dann wieder jetzt ein Niveausprung, den man erlebt. Also von der ersten Regionalliga oder dann auch von der NBBL ist es natürlich nochmal ein ganz anderes Niveau. Alle sind schneller, alle sind weiter. Die einfachen Dinge, die hier in NBBL funktionieren, funktionieren da auf gar keinen Fall mehr. Man muss sich ein bisschen anpassen. Aber ich freue mich drauf. Es ist eine Challenge und ich kann, glaube ich nur Profit rausschlagen, wenn ich da jetzt wieder gegen noch bessere Spieler mitspielen und mittrainieren darf.
In der NBBL fällt dein Antritt sehr auf. Wie ist das bei den Profis? Wer ist da schneller als du?
LK: Ich weiß es nicht, aber ich würde tendenziell sagen, nicht viele. Also letztens beim Aufwärmen haben wir Fangen gespielt und ich bin natürlich auch deutlich kleiner und wendiger als die meisten. Julian Larry war sehr, sehr schnell. Den Vergleich konnte ich leider nicht mehr ziehen, aber aktuell weiß ich nicht, ob irgendwer schneller ist.
Aber es ist deutlich kräftiger. Also nicht nur von der Schnelligkeit, sondern einfach von der Physis her. Wenn man da mal einen Bump kriegt, den man hier in der NBBL noch leicht abfängt, ist es da so, oh, jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht erst nach hinten fliege. Also die reine Kraft ist deutlich, deutlich mehr.
Okay, dann wünschen wir dir für die kommende Zeit – in NBBL, der Regionalliga Herren und bei den Uni Baskets viel Erfolg! Herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!
Fotos: Peter Obstfeld





