
Hello I am – Nina Graf
14. Februar 2026(ar) Nach einer famosen Aufholjagd glich der UBC 1,4 Sekunden vor Schluss aus, aber eine Unachtsamkeit führte zu einem Foul, Freiwürfen und damit zur antiklimatischen 65:66 Niederlage gegen den Liga-Nachbarn aus dem Norden.
Dass es überhaupt so weit kommen konnte, glich einem kleinen Basketballwunder. Nur zwei Tage nach der knappen Niederlage gegen Paderborn stand das nächste Spiel um die Playoff-Positionierung in der U19-Oberklasse des deutschen Basketballs an. Ursprünglich hätte das Spiel zwei Tage später stattfinden sollen.
In den ersten Minuten war es auf dem Feld, der Bank und der Tribüne mucksmäuschenstill. Von einem Willen, dieses Duell für sich zu entscheiden, war zunächst nichts zu spüren. Zaghaft verteidigten die UBC’ler, ließen Moritz Grüß unverständlich viel Platz, den dieser für 10 Punkte allein im ersten Viertel nutzte. Erik Niggemann, sonst ein Garant für engagierte Defense, musste mit seiner frischen Platzwunde aus dem Spiel gegen Paderborn, tatenlos vom Spielfeldrand aus zusehen. Seine Energie fehlte zusehends.
Lediglich über die Langen, Leonard Dertmann und Lukas Freitag, schien ein bisschen was zu gehen, sie erzielten ebenso wie Leo Kirchhoff 4 Punkte in diesem Durchgang, Rune Reuter steuerte zwei sehenswerte Assists bei, kam aber selbst nicht zum Zug. Beim 12:23 zum Viertelende schien sich bereits Ratlosigkeit breit zu machen.
Im zweiten Viertel sollte sich die Misere nicht bessern, sehr zum Missfallen des frustrierten Coaches Andrej König: “Wir wollten ganz klar Moritz Grüß nicht alleine lassen, wollten es ihm schwer machen. Ich bin sauer, weil wir mental nicht ready waren.”
Mit einem Stand von 27:44 beim Gang in die Kabine schien das Spiel bereits entschieden, zu wenig hatten die Münsteraner in der Defense getan. Ein Indiz dafür: Vechta hatte in der gesamten ersten Halbzeit nur zwei Freiwürfe zugesprochen bekommen. Zu diesem Zeitpunkt hatten alle zehn Spieler mindestens drei Minuten gespielt, in der Offense sich mit Rune Reuter und Ole Witt aber nur zwei weitere Spieler in die Scorer-Liste eingetragen. Es sah düster aus.
In der zweiten Hälfte kam der erhoffte Umschwung: Coach König setzte jetzt kontinuierlich auf seine bewährten Kräfte Leo Kirchhoff, Rune Reuter, Max Sonntag, Leonard Dertmann und Lukas Freitag statt weiter herumzuexperimentieren. Jetzt war die Bank wach und unterstützte ihre Kameraden auf dem Feld lautstark, die Spieler machten Druck und ließen das dritte Viertel zu einer Defensivschlacht werden, in der beide Teams zusammen nur 27 Punkte erzielten.
Die Gäste aus Vechta zeigten sich durchaus beeindruckt, bekamen nur noch 12 Feldwürfe und zehn Freiwürfe, erzielten daraus magere elf Punkte. Auf Münsteraner Seite wurde Leo Kirchhoff zum Motor seines Teams, zwar nicht immer mit Wurfglück, aber dafür mit Übersicht und starker Defensiv- und Reboundleistung. Rune Reuter komplementierte seinen Aufbaukollegen abseits des Balls, streute sieben assistierte Punkte ein, darunter den einzigen Münsteraner Dreier der Partie.
Zum Ende des Viertels hatte der UBC fünf Punkte aufgeholt, zum 43:55. Außerdem hatte König seine Rotation gefunden. Liam Glusa, am Mittwoch noch erkältet zu Hause gelassen, und Daniel Pene Moukam verteidigten engagiert und sollten in der Folge reichlich Spielzeit bekommen, während die Center foulbedingt längere Pausen einlegen mussten.
Nun war die Halle aufgewacht, und Leo Kirchhoff nahm endgültig das Heft in die Hand. Oft nur durch ein Foul aufzuhalten, erzielte er zehn Punkte, vier davon aus vier Freiwurfversuchen. Rune Reuter steuerte fünf Punkte bei und begeisterte die Halle mit einem Alley-Oop-Pass auf Leonard Dertmann, der mit einem krachenden Dunk vollendete. 1,4 Sekunden von Schluss tobte die Halle endgültig, als Leo Kirchhoff mit einem akrobatischen Wurf den Ausgleich erzielte, 65:65. Auszeit Vechta.
Bei 1,4 Sekunden gibt es nur zwei Maximen: Kein einfacher Wurf und kein Foul! Vechtas Coach Harm-Ubbo Horst ließ selbstredend im Vorfeld einwerfen und der unerfahrene 2009er Daniel Pene Moukam war für einen Moment desorientiert und ließ einen langen Lobpass auf Moritz Grüß am ballfernen brettnahen Rand der Zone zu. Dessen Wurf verfehlte das Ziel, aber Pene Moukam hatte ihn ein wenig geschoben, ein Schiedsrichter entschied auf Freiwürfe bei 0,5 Sekunden auf der Uhr. Der erste saß, der zweite daneben, das Spiel war vorbei und Vechta konnte mit Dusel der Verlängerung entgehen, die Punkte und damit den dritten Tabellenplatz sowie das damit verbundene Playoff-Heimrecht mit nach Hause nehmen.
Coach König lobte den Kampfgeist seines Teams in der zweiten Halbzeit, die Aufholjagd, nachdem sein Team mit 18 Punkten hinten gelegen hatte und rückte das Ergebnis ist rechte Licht:
“Wichtig ist, wir sind jetzt in den Playoffs, zwar ohne Heimrecht, aber ob das nun Vechta wird, oder Paderborn, beide Teams haben wir diese Woche gesehen. Ich hoffe dass wir dann genug Schaum vorm Mund haben, egal wer es wird, um in der ersten Runde wieder etwas gut zu machen.”
Jetzt haben die Münsteraner laut Rahmenspielplan der NBBL bis zum 15. März Zeit, einen Gameplan gegen die Paderborn Baskets zu erarbeiten und sich zu überlegen, ob sie in den Playoffs lieber als hungrige Wölfe oder als blökende Lämmer auftreten wollen. In der Saison hatten sie zwei Mal knapp gegen die Ostwestfalen verloren.
Foto: Peter Obstfeld
UBC: Kirchhoff (19 Punkte, 12 Rebounds, 5 Assists, 5 Steals, 10 Fouls Drawn), Glusa (2), Sonntag, Pene Moukam (3, 5 Rebounds), Almering, Reuter R. (16, 8 Rebounds, 5 Assists), Ritter, Freitag (8), Dertmann (15), Witt (2)
Rasta Vechta: Kruthaup (11 Punkte), Herges (6, 5 Rebounds), Spreckelmeyer, Blakaj (9), Grüß (26, 5 Rebounds), Behrendt DNP, Ehioghae (10 Rebounds), Gutersohn, Chojnacki (6), Langermann (8)




